10. Juni 2022
13:00-19:00 Uhr


Mohamed Amjahid (Vortrag & Diskussion) 
Wie aus der Parallelgesellschaft herausspringen? 
Über homogen weisse Räume in der Stadt 

Aram Bartholl (Performance & Gespräch) 
Greetings from Hamburg! 
Wie umgehen mit geschichtsrevisionistischer Architektur? 

Eduard Freudmann (Vortrag) 
Kontextualisierung, Umgestaltung, Weggestaltung 
Künstlerische und aktivistische Auseinandersetzungen mit geschichtspolitischen Manifestationen im öffentlichen Raum 

Cornelia Siebeck (Thesen & gemeinsames Nachdenken) 
Was wir „vergessen“ haben, oder: 
Für eine Erinnerungsarbeit ohne Selbstvergewisserung 

Nora Sternfeld (Vortrag) 
Errungene Erinnerungen 
Kontaktzonen umkämpfter und geteilter Geschichte 

Gegenwärtig sind wir mit einer rechten Metapolitik konfrontiert, die mit kulturellen Setzungen versucht zivilgesellschaftliche Überzeugungen und kulturelle Diskurse jenseits von Parlamenten nach eigenen Vorstellungen zu verändern. Während das Konzept der Metapolitik eigentlich für den Aufbau einer demokratischen Zivilgesellschaft gedacht war, zielt die Neue Rechte darauf ab, gesellschaftliche Komplexität auf essentialistische Vorstellungen von Kultur, Nation und Volk zu reduzieren. Mit Rekonstruktionen historischer Architektur, ideologischer Inanspruchnahme von Orten, aber auch Angriffen auf Parlamente versucht sie abgeschlossene Identitäten zu konstruieren. Im Ringen um die kulturelle Hegemonie entwendet die Neue Rechte auch den Künsten ihre Strategien, mit denen zuvor noch für eine offene und vielfältige Gesellschaft eingetreten wurde. Sie richtet die performativen Methoden nun gegen die vielfältige Kultur selbst. Dafür dreht sie das kritische Potential der Künste in eine affirmative Symbolhaftigkeit um und verwendet das progressive Moment der Künste für ihre regressiven Ideen.

Obwohl die permanente Gefahr besteht, die entwickelten künstlerischen Praxen in den Händen von Personen mit autoritären und völkischen Vorstellungen wiederzufinden, besteht nach wie vor die Notwendigkeit mit Kunst Ideen davon zu entwickeln, wie wir als Gesellschaft gerne zusammenleben wollen. Metapolitisches Hüpfen bietet den Anlass, rechte Metapolitik zu diskutieren und schafft zugleich den Raum, um Gegenstrategien zu entwickeln. Um die Frage nach dem Umgang mit symbolischen Räumen so zuzuspitzen, dass sie sichtbar und diskutierbar wird, wird das Hambacher Schloss als Symbol für Demokratie aber auch nationalistische Vereinnahmung in eine antifaschistische Hüpfburg transformiert. Die Architektur wird zur Infrastruktur für ein eintägiges Symposium im öffentlichen Raum, das Widersprüchlichkeit zulässt und auf dem nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch und performativ Strategien gegen rechte Metapolitik entwickelt, erprobt und debattiert werden.

Symposium und antifaschistische Hüpfburg 
Große Bergstraße/ Goetheplatz, Hamburg 

Mit: Mohamed Amjahid, Aram Bartholl, Eduard Freudmann, Cornelia Siebeck und Nora Sternfeld 
Konzeption und Design: Frieder Bohaumilitzky
Grafikdesign Flyer & Plakat: Torben Körschkes
Produktion Hüpfburg: Ursula Klein, schulteswien 

www.metapolitisches-huepfen.de

Gefördert durch die Freie und Hansestadt Hamburg; Behörde für Kultur und Medien 




The mobilization attempts of the New Right are characterized by numerous discourse sovereignty appropriation tactics. This also applies to the re/interpretation and staging of symbolic spaces. How can the authoritarian appropriation of the right be countered by design strategies?

The starting point for the thematic discussion with and in this lecture-performance is a bouncy castle. As a materialized metaphor, the bouncy castle brings together our different research perspectives in productive friction. The bouncy castle itself symbolizes the observation that the self-image of a society is increasingly negotiated on the basis of and performed in symbolic spaces. «Bouncing» in this sense can be understood as a breaking out of rigid knowledge productions, as paralogy – displaced logos. The childish bouncing undermines the adult (academic) epistemological seriousness. Insight takes off, gets out of balance and when it arrives again it easily finds itself somewhere else, offset. 

The bouncy castle can also point to aspects of a chaotic space, that is, to interdependencies, the recognition of complexity and unpredictability, and in this respect also poses the question of how we move in and through such spaces. For a movement of reduction and authoritarian appropriation does not fit this diverse and complex world. The bouncy castle is an attempt to develop an understanding of places as places of knowledge, of spaces as spaces of negotiation, of things as things of meaning. What (epistemological, design, theoretical) tools do we have at our disposal? What tools can we – as designers, artists, philosophers, social scientists– make available without these, in turn, being rigidly fixed, predetermined? 

A specially made version of Hambach Castle (which is at the same time a symbol of «German democracy» and right-wing appropriation) as a bouncy castle – for this performative lecture – presents itself as a deliberately wobbly materialized demand to bring unrest into knowledge and entrenched thought practices. 

Trailer:
Attending [to] Futures Conference, KISD - Köln International School of Design 

Conception, Text, Performance: Tom Bieling, Frieder Bohaumilitzky, Anke Haarmann, Torben Körschkes 
Edition / Sound / Conception: Stephan Kraus 
Camera / Conception: Tamara Hildebrand 
Support / Subtitles: Alice Lagaay 

German original version with english subtitles 
40 min. 



“Identitäten sind gestaltet. Zu den klassischen Aufgaben von Design gehören nicht nur Strategien des Sichtbarmachens, sondern damit verbunden auch die Herstellung von Differenz. [...] Souveränität ist unsichtbar. Gelang etwas Unsichtbares zu einer visuellen Darstellung, transformiert die Darstellung das individuell und gesellschaftlich Imaginäre. [...] Design ist Teil des Problems. Design ist auf allen Ebenen Teil des Problems. [...]”
In: Michelle Christensen · Jesko Fezer · Bianca Herlo · Daniel Hornuff · Gesche Joost (Hg.): Lechts und Rinks. Auseinandersetzungen mit dem Design der Neuen Rechten. Tagungsdokumente. Studienhefte Problemorientiertes Design, 11. Hamburg: adocs Verlag. S. 114-118. 

Deutsche Gesellschaft für Designtheorie und -forschung e.V. 



“Inzwischen verwundert es, dass die Disziplin Design in den letzten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts kaum für sich in Anspruch genommen hat gesellschaftlich zu wirken und vor allem als Instrument zur Umsatzsteigerung, als markenbildende Profession und als wichtige Inspiration für Produktinnovation gewirkt hat. Heute werden politische Herausforderungen im Designdiskurs vermehrt beschrieben und es wird ein Handeln seitens des Designs gefordert. [...] Die sich gegenwärtig ausbreitende Perspektive auf Design als Werkzeug willentlicher gesellschaftlicher Veränderung scheint zunächst unbestritten. Geht es jedoch darum, wie Design die Demokratie verteidigen soll, ist es mit der Einigkeit vorbei. Der Designdiskurs erweist sich bezüglich der Frage des Wie als durchaus heterogen.”
Denken über Design. Hamburger Papiere zur Designtheorie und -forschung an der HFBK Hamburg. Material 383-15. Hamburg: Materialverlag der HFBK. 

Book series design concept: Friedrike Wolf 

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“Politics: Although politics ought to be dedicated to solving objective problems, the public functioning of politics is oriented toward the logic of the stage production. As a consequence, problem-solving retreats behind political actions that are conceived with public reception in mind, and whose function is to generate a specific mood among this public. Here, politics not only comes close to marketing, but even employs the techniques of design and (product) design for this purpose.” 
Glossary Contributions: Democratization, Innovations, Lifestyle, Politics. In: Angelika Nollert, Die Neue Sammlung – The Design Museum · Friedrich von Borries (Hg.): Friedrich von Borries: Politics of Design. Design of Politics. S. 129-146. London: Koenig Books Ltd. 

Catalogue graphic design: Ingo Offermanns