Wenn es um die Spekulation in der Kunst im Allgemeinen und dem Design im Besonderen geht, gibt es eine Skizze, die immer wieder zur Illustration herangezogen wird. Die Skizze heisst Futures Cone und kursiert seit Jahrzehnten in unterschiedlichen Varianten zwischen Futurist*innen, Foresightexpert*innen, Künstler*innen und Designer*innen. Stets sind verschieden farbige Kegel zu sehen, deren ineinander verschachtelte Trichter sich in die Zukunft öffnen. Die verschiedenen Adaptionen und der Kontext, in dem diese entstanden verweisen dabei auf unterschiedliche Ziele von Spekulation sowie unterschiedliche Vorstellungen von Gegenwart und Zukunft.

Fußnoten zur Zukunft ist eine experimentelle Essay-Ausstellung, die assoziativ den mit der Historie des Futures-Cone verbundenen Geschichten nachgeht, sie als Artefakte liest und in einem erlebbaren Quellenverzeichnis zugänglich macht.
Frappant Galerie 

Vernissage:
Freitag, 23.02. / 19-23 Uhr 

Öffnungszeiten:
23.02.-25.02. und 28.02.-03.03.
unter der Woche 16-20 Uhr 
Sa + So 14-20 Uhr

Ausstellung: studio lose (Ina Römling · Torben Körschkes · Frieder Bohaumilitzky) 
Text: Frieder Bohaumilitzky
Plakat/Flyer: HEFT (Ina Römling · Torben Körschkes) 

Mit freundlicher Unterstützung der Behörde für Kultur und Medien Hamburg


Der Begriff der Spekulation ist erst vor kurzem im Feld ästhetischer Praxis aufgetaucht. Er entfaltet aber eine bemerkenswerte Wirkung und löst eine neue Form der gestalterischen, künstlerischen, provokativen, experimentellen Produktion und ästhetischen Forschung aus. Es entwickelt sich ein neues Verständnis von kollektiver, risikobereiter, hybrider Praxis. Diese Entwicklung führt zur Specology.
Mit der Specology als einer neuen ästhetischen Wissenschaft können wir uns auf ein ebenso imaginäres wie produktives Tableau begeben, auf dem sich erkennende und gestaltende Praktiken und Methoden (Gehweisen), Einsichtsformen (Anordnungen) sowie Medien und Materialien (Dinggefüge), chronopolitische Forschungsfelder (Ancient Futures) und Geisteshaltungen (Magical Expertise) tummeln.
Ziel dieses Buches ist es, die Potenziale und Herausforderungen von und für spekulative-ästhetische Forschung zu erfassen und diskursfähig zu machen – nicht nur auf einer begrifflichen Ebene, sondern auf vielen Ebenen ästhetischer und kritischer Praxis. Die Publikation greift den seit Mitte der 2000er geführten Diskurs um spekulatives Design auf, nähert sich diesem kritisch und liefert Anknüpfungspunkte für Wissens- und Denkpraktiken verschiedener künstlerischer, gestalterischer, philosophischer, kulturtheoretischer oder auch gänzlich außerakademischer Felder.

Die Publikation wurde im Speculative Space entwickelt, kuratiert, verantwortet, zusammengestellt, herausgegeben, durchgearbeitet, geformt von den Forschungskompliz:innen Haarmann, Lagaay, Bieling, Körschkes, Ivanova, Bohaumilitzky, Scholz in Kollaboration mit den Grafikdesignerinnen von distaff studio und in Zusammenarbeit mit Stephan Kraus vertont.
SpecSpace: Anke Haarmann · Alice Lagaay · Tom Bieling · Torben Körschkes · Petja Ivanova · Frieder Bohaumilitzky · Barbro Scholz (Hg.), Specology. Zu einer ästhetischen Forschung, Adocs, Hamburg 2023. 

ISBN: 9783943253719 
420 Seiten  
Grafik Design: Distaff Studio 
Vertonung: Stephan Kraus


“The first starting point for this paper is the idea of an unplanned “bricolage of fragments of experiences, perceptions and values. Grouped together in a collage-like manner their crumbling edges cannot be puttied with an idea of consistency. The second starting point is a bouncy castle. As a materialized metaphor the bouncy castle brings together our different research perspec- tives in productive friction. The bouncy castle itself symbolizes the observation that the self-image of a society is increasingly negotiated on the basis of and performed in symbolic spaces. “Bouncing” in this sense can be understood as a breaking out of rigid knowledge productions. The childish bouncing undermines the adult (academic) epistemological seriousness. The bouncy castle can also point to aspects of a chaotic space, that is, to interdependencies, the recognition of complexity and unpredictability, and in this respect also poses the question of how we move in and through spaces of unrest. This also applies to the re/interpretation and staging of symbolic spaces. How can the authoritarian appropriation of the right-wing be countered by design strategies?”
Tom Bieling · Frieder Bohaumilitzky · Anke Haarmann · Torben Körschkes, “Design of Unrest. Right-wing Metapolitics – Paralogy – Knowledge Spaces – Chaos”, in: Johanna Mehl · Carolin Höfler, Attending [to] Futures. Matters of Politics in Design Education, Research, Practice, Adocs, Hamburg 2023, S. 168-181. 

PDF (eng)


“It can be argued that every political system forms an interwoven relationship with design systems. Democracy is no exception. Unlike some other political systems, however, a democratic society is hardly conceivable without a public sphere that encompasses multiple, constantly negotiated everydays—dissent is essential in keeping it alive. Design plays an important role in this social fabric by influencing, motivating, or even preventing social forms of behavior through its artifacts and settings. Design influences the form(s) in which a society arranges its coexistence. That is to say, it affects whether negotiations take place and are carried out in purely symbolic spaces or whether design itself is understood as an actor in spaces of societal friction. Perhaps it is a central task for designers to focus on such concrete conflicts and controversies. This would also mean making a significant contribution to ensuring that democracy not only functions as a structure and a symbol but also remains a process that provokes and requires practical conflicts and positional disputes, as well as providing an epistemic representation (e.g., visual, material, informative) of both.”
Tom Bieling · Frieder Bohaumilitzky · Anke Haarmann · Torben Körschkes,  “Designing Unrest”, in: Interactions, Volume 29, Issue 2, New York, Association for Computing Machinery 2022, p. 20-21.  

Text: Tom Bieling · Frieder Bohaumilitzky · Anke Haarmann · Torben Körschkes
Images: Frieder Bohaumilitzky · Torben Körschkes 

DOI: https://doi.org/10.1145/3517211




Mohamed Amjahid (Vortrag & Diskussion) 
Wie aus der Parallelgesellschaft herausspringen? 
Über homogen weisse Räume in der Stadt 

Nora Sternfeld (Vortrag)
Errungene Erinnerungen
Kontaktzonen umkämpfter und geteilter Geschichte

Eduard Freudmann (Vortrag) 
Kontextualisierung, Umgestaltung, Weggestaltung 
Künstlerische und aktivistische Auseinandersetzungen mit geschichtspolitischen Manifestationen im öffentlichen Raum 

Aram Bartholl (Performance & Gespräch)
Greetings from Hamburg!
Wie umgehen mit geschichtsrevisionistischer Architektur? 

Gegenwärtig sind wir mit einer rechten Metapolitik konfrontiert, die mit kulturellen Setzungen versucht zivilgesellschaftliche Überzeugungen und kulturelle Diskurse jenseits von Parlamenten nach eigenen Vorstellungen zu verändern. Während das Konzept der Metapolitik eigentlich für den Aufbau einer demokratischen Zivilgesellschaft gedacht war, zielt die Neue Rechte darauf ab, gesellschaftliche Komplexität auf essentialistische Vorstellungen von Kultur, Nation und Volk zu reduzieren. Mit Rekonstruktionen historischer Architektur, ideologischer Inanspruchnahme von Orten, aber auch Angriffen auf Parlamente versucht sie abgeschlossene Identitäten zu konstruieren. Im Ringen um die kulturelle Hegemonie entwendet die Neue Rechte auch den Künsten ihre Strategien, mit denen zuvor noch für eine offene und vielfältige Gesellschaft eingetreten wurde. Sie richtet die performativen Methoden nun gegen die vielfältige Kultur selbst. Dafür dreht sie das kritische Potential der Künste in eine affirmative Symbolhaftigkeit um und verwendet das progressive Moment der Künste für ihre regressiven Ideen.

Obwohl die permanente Gefahr besteht, die entwickelten künstlerischen Praxen in den Händen von Personen mit autoritären und völkischen Vorstellungen wiederzufinden, besteht nach wie vor die Notwendigkeit mit Kunst Ideen davon zu entwickeln, wie wir als Gesellschaft gerne zusammenleben wollen. Metapolitisches Hüpfen bietet den Anlass, rechte Metapolitik zu diskutieren und schafft zugleich den Raum, um Gegenstrategien zu entwickeln. Um die Frage nach dem Umgang mit symbolischen Räumen so zuzuspitzen, dass sie sichtbar und diskutierbar wird, wird das Hambacher Schloss als Symbol für Demokratie aber auch nationalistische Vereinnahmung in eine antifaschistische Hüpfburg transformiert. Die Architektur wird zur Infrastruktur für ein eintägiges Symposium im öffentlichen Raum, das Widersprüchlichkeit zulässt und auf dem nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch und performativ Strategien gegen rechte Metapolitik entwickelt, erprobt und debattiert werden.

Symposium und antifaschistische Hüpfburg 
Große Bergstraße/ Goetheplatz, Hamburg 

Mit Beiträgen von: Mohamed Amjahid · Nora Sternfeld · Eduard Freudmann · Aram Bartholl

Konzeption: Frieder Bohaumilitzky
Setdesign: Frieder Bohaumilitzky
Grafikdesign Flyer & Plakat: Torben Körschkes
Produktion Setting: Ursula Klein / schulteswien 
Photos: Edward Greiner

www.metapolitisches-huepfen.de

Gefördert durch die Freie und Hansestadt Hamburg; Behörde für Kultur und Medien