Rechtes Denken ist in der Gesellschaft wieder hegemonial geworden. Materielle Kultur spielt dabei eine entscheidende Rolle. Sie hat für die politische Sozialisation enorm an Bedeutung gewonnen. Wissenschaftliche Diskurse, die den Dingen eine konstituierende Wirkung auf das politische Subjekt und seine kulturellen Praktiken zuschreiben, treffen auf das wachsende Begehren, mit Design, Architektur, Theater oder Kunst eine Transformation der Gesellschaft herbeizuführen.
Die Dissertation untersucht die Verknüpfung vom rechten Denken mit den Dingen. Sie dokumentiert, wie sich die ambivalente Idee einer politischen Subjektivierung durch Dinge als ein umfassendes Dispositiv realisieren konnte – von abstrakten Argumentationen zeitgenössischer Philosoph:innen bis hin zu konkreten rechten kulturellen Setzungen der Gegenwart. Dabei zeigt sie auf, dass essentialistische Denkmuster und autoritäre Sehnsüchte schon frühzeitig in den Diskursen präsent waren, wie dieses Denken produktiv gemacht worden ist und schließlich mit der rechten Metapolitik auf die Zivilgesellschaft angewendet wurde. Sie verortet das rechte Denken nicht länger nur am Rand der Gesellschaft, sondern zeigt dessen Entstehen in ihrer vermeintlichen Mitte. 
Dissertation: Rechte Dinge. Zum ambivalenten Dispositiv einer soziopolitischen Wirksamkeit von Design und anderen kulturellen Setzungen, 2025. 



„Wenn es um die Spekulation in Kunst und Design geht, wird meistens eine ähnliche Skizze zur Illustration herangezogen. Sie ist inzwischen so bekannt, dass sich dafür sogar ein eigener Name etabliert hat: Futures Cone. Obwohl die Skizzen stets ähnlich aufgebaut sind, variieren sie leicht, weil sie zeitlich versetzt, vor verschiedenen fachlichen Hintergründen und mit voneinander divergierenden soziopolitischen Haltungen konzipiert wurden. Welche Zukunft Menschen für wahrscheinlich, plausibel, möglich, absurd oder wünschenswert halten, erweist sich in den meisten Fällen auch als eine Projektion von ökonomischen, politischen, religiösen oder auch wissenschaftlichen Überzeugungen. Was die Skizzen sowie deren Kontextualisierung also zeigen, sind weniger belastbare Vorhersagen von Zukunft, sondern vielmehr spezifische Wahrnehmungen der jeweiligen Gegenwart. Darüber hinaus wird in den Skizzen deutlich, dass neben der Zukunft auch die Vergangenheit zur Projektionsfläche gemacht wird. Das vorliegende explorative Paper verweist auf die dabei entstehende Gefahr eines spekulativen Geschichtsrevisionismus und zeigt in einem Vergleich der Social Media Aktionen eva.storys und ichbinsophiescholl, dass sich diese Gefahr nicht auf rechtsextreme Strömungen in der Gesellschaft beschränkt.“ 
Frieder Bohaumilitzky: „Spekulativer Geschichtsrevisionismus“, in: Merle Ibach · Andrea Augsten · Axel Vogelsang (Eds.): What could possibly go wrong? Impact and Consequences in Design, 2024, S. 66-75. 

DOI: https://doi.org/10.25368/2024.DGTF 

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When it comes to speculation in art in general and design in particular, there is one sketch that is repeatedly used as an illustration. The illustration is called Futures Cone and has been circulating for decades in different variations among futurists, foresight experts, artists and designers. It always consists of differently colored cones whose nested funnels open into the future. The various adaptations and the context in which they were created refer to different aims of speculation and different ideas of the present and the future.

Fußnoten zur Zukunft is an experimental essay exhibition that associatively traces the stories associated with the history of the Futures Cone, reads them as artifacts and makes them accessible in a sensory and physical directory of sources. It is based on the text "Die Ambiguität der Spekulation. Futures Cone-Skizzen und ihre Kontexte" from the publication Specology. Zu einer ästhetischen Forschung, published by Hamburg-based Adocs-Verlag in 2023. This text is made accessible via a flyer that can be unfolded into both a poster and a mini-publication.



Frappant Galerie, Hamburg 

Exhibition: studio lose (Frieder Bohaumilitzky · Ina Römling · Torben Körschkes) 
Text: Frieder Bohaumilitzky
Flyer: HEFT Kollektiv (Ina Römling · Torben Körschkes) 
Photos: Maik Gräf

Funded by the Freie und Hansestadt Hamburg, ministry of culture and media.


„Ich denke, dass wir in unserem Gespräch gemerkt haben, dass es verschiedene Wege gibt, zu einem Verständnis zu gelangen. Ein Weg wäre vielleicht das eher utopische Denken. Der Versuch, sich über schöne und möglicherweise auch poetische Zitate und Ideen ein Dazwischen vorzustellen, das als produktive Metapher für die egalitäre, heterogene und vielsprachige Welt stehen kann, die wir suchen. Ein anderer Weg wäre vielleicht die Beschreibung einer Notwendigkeit, also über die Beobachtung von gegenwärtigen Problemen, ein Bild davon zu gewinnen, was für eine egalitäre, heterogene und vielsprachige Welt fehlt und zu überlegen, was dafür notwendig wäre. Spannend finde ich, dass sich mit diesen unterschiedlichen Wegen zur selben Idee gelangen lässt: Die Idee, dass etwas ungestaltet bleiben muss, unentschieden bleiben darf, offen gehalten werden soll, dazwischen bleiben kann oder – wie du geschrieben hast – paradoxerweise nur in seiner Identitätslosigkeit und Ungreifbarkeit begriffen werden kann. Auch die Idee, ein Designinteresse an etwas zu haben, das man eigentlich gerade nicht designen will, ist erstmal ein Paradox. Aber es scheint mir das zu sein, wonach wir suchen: ein Design ohne Design.“
Torben Körschkes · Frieder Bohaumilitzky, “Zwischen den Stühlen stehen. Ein Gespräch über das Dazwischen als metaphorische Figur und Herausforderung der Gestaltung”, in: Jörg Sternagel · Eva Schürmann (Hg.), Denken des Medialen. Zur Bedeutung des »Dazwischen«, transcript, Bielefeld, 2024, S. 211-224.

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Der Begriff der Spekulation ist erst vor kurzem im Feld ästhetischer Praxis aufgetaucht. Er entfaltet aber eine bemerkenswerte Wirkung und löst eine neue Form der gestalterischen, künstlerischen, provokativen, experimentellen Produktion und ästhetischen Forschung aus. Es entwickelt sich ein neues Verständnis von kollektiver, risikobereiter, hybrider Praxis. Diese Entwicklung führt zur Specology.
Mit der Specology als einer neuen ästhetischen Wissenschaft können wir uns auf ein ebenso imaginäres wie produktives Tableau begeben, auf dem sich erkennende und gestaltende Praktiken und Methoden (Gehweisen), Einsichtsformen (Anordnungen) sowie Medien und Materialien (Dinggefüge), chronopolitische Forschungsfelder (Ancient Futures) und Geisteshaltungen (Magical Expertise) tummeln.
Ziel dieses Buches ist es, die Potenziale und Herausforderungen von und für spekulative-ästhetische Forschung zu erfassen und diskursfähig zu machen – nicht nur auf einer begrifflichen Ebene, sondern auf vielen Ebenen ästhetischer und kritischer Praxis. Die Publikation greift den seit Mitte der 2000er geführten Diskurs um spekulatives Design auf, nähert sich diesem kritisch und liefert Anknüpfungspunkte für Wissens- und Denkpraktiken verschiedener künstlerischer, gestalterischer, philosophischer, kulturtheoretischer oder auch gänzlich außerakademischer Felder.

Die Publikation wurde im Speculative Space entwickelt, kuratiert, verantwortet, zusammengestellt, herausgegeben, durchgearbeitet, geformt von den Forschungskompliz:innen Haarmann, Lagaay, Bieling, Körschkes, Ivanova, Bohaumilitzky, Scholz in Kollaboration mit den Grafikdesignerinnen von distaff studio und in Zusammenarbeit mit Stephan Kraus vertont.
SpecSpace: Anke Haarmann · Alice Lagaay · Tom Bieling · Torben Körschkes · Petja Ivanova · Frieder Bohaumilitzky · Barbro Scholz (Hg.), Specology. Zu einer ästhetischen Forschung, Adocs, Hamburg 2023. 

ISBN: 9783943253719 
420 Seiten  
Grafik Design: Distaff Studio 
Vertonung: Stephan Kraus